GemeinschaftsTouren - Was ist das?


Ihr seid es gewohnt, dass ein Tourenleiter (*) für euch eine Wanderung organisiert für alles sorgt und die Tour anführt/leitet?

Das ist schön für euch aber schwierig für einen Tourenleiter !

Bei dieser Art von "geführter" Wanderung handelt es sich um eine "Führungstour" mit einem benannten Wanderführer / Tourenführer/ Tourenleiter.
In diesem Fall übernimmt der Tourenleiter oder die Tourenleiterin mit der Führung/Leitung auch eine Verantwortung, hat eine Sorgfaltspflicht und steht einem möglichen Haftungsrisiko gegenüber.

Es gibt jede Menge Haftungsfallen z.B. auch  bei „Unterlassung“ ,
z.B. muss/müsste der Tourenleiter zu Beginn der Tour Teilnehmer auf ungeeignete Ausrüstung (z.B. Turnschuhe, Sandalen, zu wenig Getränke, ...) hinweisen oder nach dem Gesundheitszustand der Teilnehmer fragen.
Ein Tourenleiter müsste auch einen Wanderer mit ungeeigneter Ausrüstung von der Tour ausschließen.
Eine Bergung im Wald bei gebrochenem Knöchel ist teuer und es ist nicht ausgeschlossen, dass dann eine Versicherung nach einem Verantwortlichen sucht und das ist dann ggf. der Tourenleiter oder Tourenleiterin.

Ein Ausschluss einer möglichen Haftung des Tourenleiters für Personenschäden ist nicht möglich  (BGB §309). Klauseln wie "Teilnahme auf eigene Gefahr" sind daher unwirksam!

Da wir kein Verein sind mit Vereinsversicherung, haftet der Tourenleiter selber.
Das ist für einen "ehrenamtlichen Tourenleiter", der ja die Tour "für euch" kostenlos und in seiner Freizeit organisiert und leitet nicht in Ordnung!

Und wie geht es besser?

Ein gutes Konzept bietet der Deutsche Alpenverein (DAV):

Der DAV unterscheidet zwischen "Führungstouren und "Gemeinschaftstouren". (https://ausbildung.alpenverein.de/page.aspx?name=Rechtliches).
Bei den Gemeinschaftstouren wird gemeinschaftlich gewandert und es gibt während der Tour keine/n Tourenleiter/in und damit auch kein Haftungsrisiko.
Führungstouren werden beim DAV nur durch ausgebildete Wanderführer/nnen geleitet. Dazu bietet der DAV Ausbildungen zum Wanderführer/in an. Bei allen Wandervereinen (DAV, PWV, ...) besitzen Tourenleiter/innen eine entsprechende Ausbildung und bieten Wanderungen innerhalb eines Vereins mit Vereinshaftpflicht an.

Um für weiter-aktiv-Touren  Haftungsrisiken auszuschließen, werden weiter-aktiv-Gemeinschafts-Touren daher als Gemeinschaftstouren ausgeschrieben.
Damit gibt es nur einen Touren-Organisator, der eine Tour  aussucht, vorschlägt und z.B. in Komoot aufbereitet.
Es gibt in der Regel keine Vorwanderung.
Die Mitwanderer und Mitwandererinnen informieren sich selber (z.B. mit dem Komoot-Link) über die vorgeschlagene Tour und die Beschreibung und akzeptieren die Tour.
Während der Tour ist der Tour-Organisator nur ein Mit-Wanderer ohne besondere Funktion.
Wir wandern alle gemeinsam und gleichberechtigt. Es gibt keine/n "Tourenleiter/in"!

Das bedeutet aber auch, dass jeder Teilnehmer bzw. Teilnehmerin in der Lage sein muss, die Tour auch selbstständig und eigenverantwortlich durchzuführen.

Womit wir beim Thema Navigation sind. Durch euer Smartphone und z.B. Komoot seid ihr für eine Navigation gut gerüstet.

Wichtig dabei ist:

"Es reicht nicht aus, eine Gemeinschaftstour als solche auszuschreiben. Entscheidend ist, was auf der Tour selbst „gelebt“ wird." (https://ausbildung.alpenverein.de/page.aspx?name=Rechtliches).
Achtung: Es gibt auch einen "faktischen Tourenleiter", der faktisch „führt“, ohne dass dies ausdrücklich vereinbart/ausgeschrieben worden ist.
In dem Moment, in dem sich eine Person als "Leiter" herausstellt/positioniert, übernimmt er/sie diese Funktion und damit Verantwortung.
Es ist also wichtig, dass der Touren-Organisator wirklich nur Mit-Wanderer ist.


Ihr seht also, die Situation ist durch das nicht auszuschließende Haftungsrisiko eines Tourenleiters etwas "kompliziert".
 

Aber glücklicherweise gibt es eine einfache Lösung:

Das Konzept der Gemeinschaftstour.
Das Konzept muss aber auch "gelebt werden".




(*):
Wir sind mit GT - Gemeinschafts-Touren eine nicht kommerzielle und private Initiative bzw. ein Projekt. Wir sind kein Verein und es gibt keine Mitglieder.
Wir legen Wert auf einfach lesbare und damit auch barrierearme Sprache. Wir verwenden soweit möglich eine gebräuchliche neutrale Form und manchmal nur die männliche oder weibliche Form. Gemeint sind aber alle Formen, z.B. Leiter, Leiterin, Leitende, ....